Archiv von Přemysl Pitter und Olga Fierz
Ohne Liebe, ohne Menschlichkeit, ohne Mitgefühl des Menschen für den Menschen hat nichts Bestand.
Přemysl Pitter

Aktion Schlösser

Während der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei (1939-1945) bemühten sich P. Pitter und O. Fierz jüdischen Familien zu helfen. Gemeinsam mit ihren Mitarbeitern versuchten sie für die Kinder eine unmittelbare Hilfe in der Nachkriegszeit zu organisieren. Gleich nach der Befreiung erhielt P. Pitter einen Auftrag der Gesundheits- und Sozialkommission des Tschechischen Nationalrats und startete die „Aktion Schlösser".  In den Schlössern Štiřín, Olešovice, Kamenice und Lojovice sowie einer Pension in  Ládví (alles im Umkreis von Prag), die er in Sanatorien umwandelte, versammelte er Kinder verschiedener Nationalitäten aus deutschen Konzentrations- und tschechischen Internierungslagern. Die Köchinnen kochten leichte Vegetarierkost, was in der Zeit der Lebensmittelmarken und Nahrungsmittelknappheit nicht gerade leicht war. Die Kinder wurden auch ärztlich betreut. Im Arzthaus in Olešovice wirkte MUDr. Emil Vogl.  Dieser jüdische Arzt war gesundheitlich schwer angeschlagen aus dem Konzentrationslager zurückgekehrt und hatte während des Krieges seine ganze Familie, auch seine Frau, verloren. Aufopferungsvoll half er Kindern aller Nationalitäten.

P. Pitter verurteilte die Gewalt an der deutschen Bevölkerung nach Kriegsende und kritisierte die schlechte Behandlung der Deutschen in den Internierungslagern, die er als Mitglied der Sozialkommission des Landes-Nationalausschusses besuchte. Er setzte sich für ein humaneres Vorgehen in diesen Lagern ein. Seine Ansicht, dass Kinder Kinder sind und es inhuman und unchristlich ist, sie für die Taten ihrer Eltern büßen zu lassen, ließ sich bei den damaligen tschechischen Behörden und der tschechischen Öffentlichkeit nur schwer durchsetzen. Bei der Abschiebung der Deutschen, den die Siegermächte 1945 auf der Potsdamer Konferenz beschlossen, vermittelte P. Pitter mit seinen Mitarbeitern die Zusammenführung der Kinder mit ihren Eltern oder Verwandten.

Gesundheits- und Sozialfürsorge vermischten sich bei zunehmender Erholung der Kinder mit Erziehung und freundschaftlichem Umgang. Zu den ersten Mitarbeitern von P. Pitter in den Sanatorien gehörten die Ehepaare Teichman und Růžička sowie die Professorin Otuše Dürrová. Schrittweise konnten sie weitere freiwillige Mitarbeiter gewinnen. Die  „Aktion Schlösser" erstreckte sich auf 800 Kinder, etwa die Hälfte waren Kinder mit deutscher Nationalität. Die Suche nach verlorenen Kindern oder deren Eltern wurde in Kooperation mit den deutschen Behörden bis 1950 fortgeführt.

 

Kamenice 1947
Kamenice 1947.
Štiřín 1945
Štiřín 1945.
Děti
Kinder aus Konzentrationslagern, Štiřín 1945
MUDr. Emil Vogl
MUDr. Emil Vogl.

 

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